Respekt vor Eigentum und Dialog als Schlüssel: Bauernbund fordert klare Regeln für das Radfahren im Wald

[Stattegg, im Juni 2026] Das zunehmende illegale Mountainbiken auf privaten Waldflächen beschäftigt immer mehr Land- und Forstwirte in der Steiermark. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung der neuen Reihe „Hofgespräche“ des Bauernbundes Graz-Umgebung am Lässerhof in Stattegg wurde deutlich: Der Handlungsbedarf ist groß, gleichzeitig gibt es konstruktive Lösungsansätze. 

„Im Wald ist die Nutzung zu Fuß gesetzlich erlaubt. Das Radfahren hingegen bedarf der Zustimmung der Grundeigentümer. Diese Rechtslage muss respektiert werden“, betonte Bauernbund-Bezirksobmann Johannes Wieser bei der Veranstaltung. 

Viele Grundeigentümer berichten von einer zunehmenden Missachtung dieser Regelungen. Landeskammerrat Gerald Löffler schilderte die Situation aus eigener Erfahrung: „An manchen Wochenenden nutzen bis zu 300 Mountainbiker meine Flächen, obwohl dort keine genehmigte Radstrecke besteht.“ Für viele Betroffene sei dies nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine emotionale Belastung. 

Die rote Karte zeigt Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger jenen Mountainbikern, die auf nicht freigegebenen Strecken unterwegs sind. Für ihn ist klar: „Fairplay muss auch für Radsportler gelten. Wege und Forststraßen, die nicht ausdrücklich für den Mountainbike-Verkehr freigegeben sind, dürfen nicht befahren werden. Sie befinden sich im Eigentum von Waldbesitzern und Bauern, sind kein öffentliches Gut und dienen als Arbeitsplatz.“ 

Steinegger weist zudem darauf hin, dass bei Verstößen Konsequenzen drohen: Wer unerlaubt auf nicht freigegebenen Strecken fährt, muss im Falle einer Anzeige mit einer Verwaltungsstrafe rechnen. 

Gleichzeitig wurde bei der Veranstaltung deutlich, dass der Steirische Bauernbund auf Dialog und Zusammenarbeit setzt. Der steirische Mountainbike-Koordinator Markus Pekoll verwies auf den gesellschaftlichen Wandel und die steigende Nachfrage nach attraktiven Bewegungsangeboten in der Natur. Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad als Freizeit- und Sportgerät, insbesondere auch E-Mountainbikes. 

Ein wesentlicher Lösungsansatz liegt daher im Ausbau legaler und vertraglich geregelter Mountainbike-Angebote. Wie die Geschäftsführerin der Erlebnisregion Graz Susanne Haubenhofer berichtete: „Es stehen in der Steiermark derzeit bereits 185 ausgewiesene Mountainbike-Routen mit einer Gesamtlänge von rund 4.500 Kilometern sowie 137 Mountainbike-Trails zur Verfügung. Neue Projekte wie die kürzlich eröffnete Trail-Anlage auf der Sommeralm zeigen, wie Freizeitnutzung und Eigentumsrechte erfolgreich in Einklang gebracht werden können.“ 

 

 

 

 

„Wir wollen keine Konfrontation, sondern Lösungen“, so der Tenor der Veranstaltung. Voraussetzung dafür seien gegenseitiger Respekt, offene Gespräche und klare Vereinbarungen zwischen Freizeitnutzern, Tourismus, Gemeinden und Grundeigentümern. Nur durch eine gezielte Besucherlenkung könne das Miteinander langfristig gelingen. 

Der Handlungsbedarf wächst: Allein zwischen 2016 und 2025 wurden in Österreich rund 1,6 Millionen E-Bikes verkauft. Zudem kommen bereits etwa 20 Prozent der Sommertouristen wegen des Radfahrens in die Steiermark. 

Der Steirische Bauernbund bekennt sich daher zu einem konstruktiven Dialog und unterstützt Maßnahmen, die sowohl den Bedürfnissen der Freizeitsportler als auch den Rechten der Grundeigentümer gerecht werden. 

Aus diesem Grund hat der Bauernbund Graz-Umgebung Transparente mit dem plakativen Slogan „Brems dich ein! Nimm Rücksicht.“ vorbereitet und verteilt. Diese sollen zur gegenseitigen Rücksichtnahme und respektvollem Umgang aufrufen.